Zukünftige Wiedererweckung mit Hilfe von Informationen von Klaus Reinhard English Version Bedeutende Wissenschaftler z.B. Professor Marvin Minsky, der führende Forscher auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz am Massachusetts Institute of Technology, und Dr. Hans Moravec, der Direktor des Mobile Robot Laboratory an der Carnegie Mellon University, sagen, daß es in der Zukunft wahrscheinlich intelligente und selbstbewußte Computer geben wird. Und sie sagen weiterhin: "Wenn die wesentlichen Informationsinhalte Deines Gehirns in einen dem Gehirn ähnlichen Computer übertragen werden, dann wirst Du in diesem Computer weiterleben." Das bedeutet, daß das Bewußtsein eines Menschen in einen menschen-ähnlichen Roboter mit einem elektronischen Gehirn übertragen werden kann und daß der Mensch dann in diesem Roboter weiterleben kann. Wenn das möglich würde, würden wahr- scheinlich viele Menschen eine solche Übertragung wünschen, weil sie dadurch neue Fähigkeiten und eine physische Unsterblichkeit gewinnen könnten. Ein Roboter-Körper könnte viel stärker als ein biologischer Körper sein. Er könnte auf dem Mond, auf fremden Planeten, im Weltall oder in der Tiefsee leben. Das Uploading würde eine viel höhere Intelligenz ermöglichen, weil Computer Informationen viel schneller verarbeiten können als biologische Gehirne. Wenn das biologische Gehirn eines Menschen stirbt, ist er tot. Wenn jedoch alle wesentlichen Informationsinhalte des Gehirns in einen Computer übertragen werden können, können Kopien dieser Gehirninformation an verschiedenen sicheren Orten gelagert werden. Im Fall einer Zerstörung eines Roboter- körpers mit einem elektronischen Gehirn wäre mit Hilfe der erhaltenen Kopien immer eine Rekonstruktion möglich. Wenn Teile des Roboterkörpers altern würden, könnten sie durch neue Teile ersetzt werden. Deshalb wären nach einer Uploading- Operation Altern und Tod nicht mehr möglich. Eine Übertragung der Informationen eines menschlichen Gehirns in ein elektronisches Gehirn ist mit den gegenwärtigen Techno- logien nicht möglich, weil wir noch keine Computer bauen können, die alle Leistungen des menschlichen Geistes simulieren können. Wenn der Fortschritt in der Computer-Technik weitergeht, könnte das aber in der Zukunft möglich sein. Ein weiteres Problem liegt darin, daß für die Übertragung die wesentlichen Informa- tionsinhalte des Gehirns ermittelt werden müssen. Das ist mit heutigen Techniken nicht möglich. Auch nach weiteren Fort- schritten wird es wahrscheinlich nur möglich sein, das Gehirn Schicht für Schicht zu untersuchen. Das ist riskant, weil dabei das Gehirn zerstört wird und bei einem Fehler kein zweiter Ver- such möglich ist. Falls der Zustand des Gehirns auf der atomaren Ebene für Persönlichkeit und Gedächtnis wichtig ist, ist es wahrscheinlich aus physikalischen Gründen (Heisenbergsche Unschärferelation in der Quantenmechanik) nicht möglich, diese Information zu ermitteln. Gibt es andere Möglichkeiten? Informationen können nicht nur in Gehirnen und Computern gespeichert werden. Sie können auch auf Papier, Magnetbändern oder Mikrofilmen gespeichert gespeichert werden. Selbst innere geistige Prozesse wie Gedanken, Gefühle und bildliche Vorstellungen können aufgezeichnet und auf diesen Medien gespeichert werden. Wenn wir sie durch Worte oder Zeichnungen beschreiben, können andere Menschen das Wesentliche verstehen. Wer seine Erinnerungen, Gedanken und Gefühle in ausführlichen Tagebüchern beschreiben möchte, benötigt kein schrift- stellerisches Talent. Während des Schreibens braucht er sich nur vorzustellen, er solle seine Gedanken und Gefühle jemandem anders erklären. Niemand kann all seine Gedanken aufschreiben. Da jedoch wichtige Erinnerungen und Gedanken häufiger wiederkehren, kann man im Lauf einiger Jahre genügend Informationen über sich selbst festhalten, um die eigene Persönlichkeit, die eigenen Fähigkeiten und die eigene Lebensgeschichte ungefähr zu beschreiben. Natürlich sollte man zusammen mit den Tagebüchern auch Photos, Notizen, persönliche Dokumente und so weiter aufheben. Da diese Dinge erhalten werden können, ergibt sich die Frage, ob es eine Chance gibt, eine spätere Wiedererweckung nur mit Hilfe der erhaltenen Informationen zu erreichen. Selbstverständlich kann eine solche Wiedererweckung nicht dadurch erreicht werden, daß die Informationen aus den Unter- lagen einfach in einen Computer übertragen werden. Wenn wir ein Wort lesen, kombinieren wir es mit einer komplizierten Menge ("Informationspaket") von weiteren Informationen, z.B. über das Aussehen des bezeichneten Objektes, seine Eigenschaften, seine Beziehungen zu anderen Objekten und über die Gefühle, die mit ihm verbunden sind. Deshalb müssen die Gedanken und Erinnerungen, die in den Aufzeichnungen nur durch Worte oder Zeichnungen beschrieben sind, um solche Informationspakete erweitert werden. Ein großer Teil der Information in diesen Paketen ist nicht individuell. Alle Angehörigen eines Volkes haben ein großes Wissen über ihre Muttersprache und über die Welt, in der sie leben, gemeinsam. Wenn man nur die Mitglieder einer bestimmten sozialen Gruppe betrachtet, sind die Gemeinsamkeiten noch viel größer. Individuelle Informationspakete, z. B. Pakete, die Informationen über Verwandte und Bekannte enthalten, können mit Hilfe der Tagebücher und Photos rekonstruiert werden. Somit wird es nach weiteren Fortschritten in den Neurowissenschaften und der künstlichen Intelligenz wahrscheinlich möglich sein, aus den Aufzeichnungen und aus dem Wissen über die Welt, in der der Tagebuchschreiber lebte, ein Netzwerk aus Informationspaketen zu berechnen, welches sehr ähnlich ist zu dem, was in seinem Gehirn gespeichert war. Das Netzwerk ergibt sich einfach aus der Tatsache, daß jedes Informationspaket Informationen über seine Beziehungen zu anderen Paketen enthält. Deshalb sind die Informationspakete niemals isoliert. Sie sind vielmehr zu einer komplexen Struktur verknüpft. Forscher in den kognitiven Wissenschaften wie Douglas R. Hofstadter weisen darauf hin, daß der Informationsgehalt eines menschlichen Gehirns durch ein solches Netzwerk beschrieben werden kann. Folglich kann das Netzwerk der rekonstruierten Informationspakete als die rekonstruierte Gehirninformation des Tagebuchschreibers angesehen werden. Hofstadter nennt die Informationspakete aktive Symbole, weil sie im Gehirn durch Nervenzellverbände repräsentiert werden, die aktiv In- formationen verarbeiten können. In einem dem menschlichen Gehirn ähnlichen Computer müssen die Informationspakete in einem System aus Milliarden von elektronischen Schaltkreisen gespeichert werden. Dieses System muß alle Leistungen des menschlichen Gehirns simulieren können. Wenn der Fortschritt in der Computertechnik in den nächsten Jahrzehnten so schnell ist wie in den vergangenen Jahrzehnten, wird der Bau eines solchen Computers, der einen menschen-ähnlichen Roboter kontrollieren kann, schon in den nächsten 50 bis 100 Jahren möglich sein. Die meisten Forscher auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz sagen, daß ein dem menschlichen Gehirn ähnlicher Computer, der alles tun kann, was ein Mensch tun kann, ein Bewußtsein und Gefühle haben muß. Nach den Erkenntnissen der Hirnforschung sind das Bewußtsein und die Gefühle nämlich Epiphänomene der informationsverarbeitenden Aktivität des Gehirns. Wenn Intelligenz ohne Bewußtsein möglich wäre, hätten wir wahrscheinlich gar kein Bewußtsein, weil sich eine unnötige Funktion in der biologischen Evolution nicht durchgesetzt hätte. Wenn somit die mit Hilfe der Aufzeichnungen rekonstruierte Gehirninformation in einen gehirn-ähnlichen Computer übertragen wird, der einen menschen-ähnlichen Roboter kontrolliert, wird diese Maschine wahrscheinlich ein Bewußtsein haben und sich selbst als der wiedererweckte Tagebuchschreiber empfinden. Nach seiner Wiedererweckung in der Maschine wird der Tagebuchschreiber wissen, wer er vorher war und sein neues Leben als Fortsetzung seines früheren Lebens ansehen. Weitere Links und Quellenangaben: Gesellschaft zur wissenschaftlichen Herausforderung des Todes Recording our Memories, Personal Identity, and Cryonics (Aufzeichnung der Gedächtnisinhalte, persönliche Identität und Kryonik) Mind Uploading Home Page (Übertragung von Persönlichkeit und Bewußtsein in einen Computer) Joseph J. Strout in Nachricht 196 des Diskussionsforums der Metamorphosis Society Marvin Minsky: Fernsehinterviews in Deutschland vom 13.9.1988 und vom 29.3.1992 Douglas R. Hofstadter: Gödel, Escher, Bach; (Deutsche Über- setzung). Stuttgart: Klett-Cotta, 1985. ISBN 3-608-93037-X. Klaus Reinhard: Wie der Mensch den Tod besiegt. Wien: Verlag Orac, 1987. ISBN 3-7015-0081-9 (Dieses Buch enthält eine ausführliche Begründung, warum mit Hilfe von Informationen eine zukünftige Wiedererweckung in einem künstlichen Körper mit einem elektronischen Gehirn oder in einem neu geschaffenen biologischen Körper möglich ist. Es enthält auch ausführliche Anleitungen, wie man innerhalb einiger Jahre genügend Informa- tionen über die eigene Persönlichkeit und die eigenen Gedächtnis- inhalte sammeln kann, um eine spätere Wiedererweckung zu ermög- lichen, und wie diese Informationen erhalten werden können. Der gesamte Text des Buches ist jetzt online.) Der obige Text ist eine aktualisierte Version eines Artikels, der 1988 in der amerikanischen Zeitschrift The Immortalist und später in der englischen Zeitschrift Longevity Report und im Cryonet veröffentlicht wurde. Wenn Sie sich für eine der oben beschriebenen Ideen interessie- ren, schicken Sie bitte eine Email an reinhard@tiefkuehlschlaf.de